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Die Geschichte der Gießerei in Velbert

192461_r_by_walter-haindl_pixelio.de1670
Bereits 1670 erhielt Ruprecht von der Pfalz ein englisches Patent auf die Herstellung von Temperguss.

1749
Im Jahre 1749 wurde die erste Gelbgießerei (Messing) von W. Engstfeld in Heiligenhaus gegründet.

Die ersten Erzeugnisse dienten offenbar gehobenen Ansprüchen, daher gab es nur begrenzte Verwendungs- u. Absatzmöglichkeiten. Es war eine interessante Nebentätigkeit, die für eine Lebensgrundlage zu schmal war.

1800
Johann Peter Engels war der erste Fabrikant, der in Velbert Kleingussteile in Massenanfertigung herstellte.

Anfang bis Mitte 19. Jahrhundert
In dieser Zeit erfolgte der Übergang zur Massenfertigung der Schloss- und Beschlägeindustrie durch die Zähigkeit und Bruchsicherheit des Tempergusses.

In Velbert enstand die größte Konzentration von Gießereien Deutschlands. Velbert war außerdem der maßgebene Ort für handgetriebene Haushaltsmaschinen (Maismühlen), die in großer Stückzahl bei der Firma BME in Velbert hergestellt wurden.

1816 – 1840
In dieser Zeit wurden bereits 14 Gelbgießereien gezählt.

1832
Bis 1832 gab es aber nur mangelnde Arbeitsmöglichkeiten und gedrückte Preise. Der Grund hiefür waren die kriegerischen Ereignisse in Polen und Belgien.

1851
Im Jahre 1851 wurde die erste Eisengießerei von Winand Ohren gegründet.

1855 – 1874
In diesen Jahren stagnierte das gesamte Gewerbe. Trotzdem gab es weitere Gründungen von Eisen- und Tempergießereien.

In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens waren die Eisen- und Tempergießereien fast ausschließlich Zulieferer für die Schlossproduktion.

1858
Die 25. Gelbgießerei entstand.

1870er
Die Nachfrage stieg, es kam zu zahlreichen Firmenneugründungen. Der Einsatz von Dampfmaschinen und die Spezialisierung auf Teilbereiche verdrängten die handwerkliche Herstellung.

1880
Bereits 1880 wurden die ersten Gesellen angelernt.

1892
In Velbert gab es 14 Eisen- und Tempergießereien sowie 18 Gelbgießereien. August Engels Eisenguss wurde gegründet. Velbert war der größte Gießerei-Standort Europas.

1936 – 1956
Die Gießereien waren die zweitwichtigste industrielle Gruppe hinter der Schloss- und Beschläge- Industrie. Die Gießereien beschäftigten nunmehr 6.000 – 7.000 Menschen.

1945
Trotz der kriegswichtigen Produktion wurde Velbert nicht Ziel von Bombenangriffen, so dass im August 1945 bereits 84 % der Firmen den Betrieb wieder aufgenommen hatten.

1956
Die Tempergießereien waren dominierend. Bis zur Demontage von Produktionsanlagen in der Nachkriegszeit wurde auch Stahlguss gefertigt.In dieser Zeit gab es 32 Eisen-, Temper – Metallgießereien. Mehr als die Hälfte im gesamten Industrie- und Handelskammerbezirk Wuppertal waren in Velbert angesiedelt. 6.500 Beschäftigte waren in Velberter Gießereien tätig. Im Wuppertaler Kammerbezirk wurden 65.000 t Temperguss pro Jahr gefertigt. Das waren mehr als 40 % der gesamten Kapazität von Deutschland. Die Beschäftigten teilten sich folgendermaßen auf: 12 Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten,14 Betriebe bis 300 Beschäftigte und 6 Betriebe mit mehr Beschäftigten. Der größte Betrieb hatte 1.500 Mitarbeiter. Es wurden vielseitige Fittingsmodelle hergestellt und Gussstücke bis zu mehreren 1000 kg gefertigt.

1961
Das Jahr 1961 war die Hochzeit der Eisen-, Stahl- und Tempergießereien. Es bestanden 34 Betriebe mit 6.900 Arbeitern. 18 Firmen kamen aus dem NE-Metallguss. Jeden Morgen pendelten 10.600 Berufstätige nach Velbert.

1980 – 2002
Mehrere Tausend Mitarbeiter verloren Ihren Arbeitsplatz. Nur noch 3% aller Gießereiunternehmen Westdeutschlands liegen heute in Velbert.

2009
Es gibt nur noch eine Eisengießerei in Velbert: Der Firmenverbund Gestaguss – GEW / BME Guss.

Bildnachweis: Walter Haindel – Pixelio.de